Der Weg ins Dojo, Teil 2 – Warum ausgerechnet Du?

Es gibt immer wieder mal Interessenten, die das Dojo mit einer Käseplatte im Supermarkt verwechseln. Streng nach dem Motto, ich koste und wenn es passt, nehme ich auf jeden Fall zwei Pack von dem würzig-herben Höhlengereiften.
Dabei wird übersehen, dass ich vielleicht gar kein Interesse habe, ausgerechnet Dir diesen Würzig-herben zu überlassen. Warum sollte ich?

Es ist eine bessere Herangehensweise, wenn Du als Interessent das Probetraining eher als Bewerbungsgespräch verstehst. Du schaust, ob Dir die Firma taugt, während der Lehrer schaut, ob Du zur Gruppe passt. Das Probetraining ist kein einseitiges „Testen“.

Jeder verantwortungsvoll handelnde Lehrer wird bemüht sein, dass er sich kein Kuckucksei ins Nest holt und neue Mitglieder danach bewerten, ob sie der Gruppe keinen Schaden zufügen können. Als Schaden bezeichne ich, wenn Intrigen, schlechte Stimmungsmache oder Mobbing im Dojo aufkommen. Von meiner Seite aus kann ich mich nur glücklich schätzen, dass ich mit dem Verein nicht meinen Lebensunterhalt bestreite und daher nicht auf Mitgliederzahlen (wie auch auf zahlende Mitglieder) angewiesen bin. Stelle ich solch ein Verhalten fest, dann habe ich die Freiheit, denjenigen aus unserer Mitte zu entfernen.
…und Tschüss zum Wohl der ganzen Gruppe.

Das wäre aber wirklich ein Extremfall und in meiner ganzen Zeit als Lehrer war dies bisher nur einmal nötig. Die meisten Unruhestifter gehen freiwillig, bevor etwas gesagt werden muss – Dojoevolution: Unpassendes stirbt von selber aus… meistens.

Auf Dich, der Du sicher nicht zu dieser Kategorie Mensch zählst, soll das aber nicht abschreckend wirken. Vielleicht gehörst Du eher zu Denjenigen, die alles besonders richtig machen wollen und sich daher zu viele Gedanken machen.

Wer kennt nicht diese hierzu passende Szene aus einem der vielen Kampfsportfilme:
Der Meister schenkt Tee in eine mit Wasser gefüllte Schale. Alles läuft natürlich über und der erschrockene Schüler fragt den Meister, was er denn da mache, da er doch alles verschütte. Darauf erklärt der Meister, dass diese Schale der Schüler sei und der Tee das Wissen, das der Lehrer vermitteln möchte.
Wer also vorgefertigte Meinungen hat und sich auf nichts Neues einlassen kann, dem wird das ganze Training nichts bringen.

Du solltest daher folgende oder ähnliche Sprüche (besser Denkweisen) vermeiden:
– In einem Film habe ich das aber anders gesehen.
– Ich kenne das aus meiner ersten Kampfkunst xy, aber da wurde es so und so gemacht.
– Das funktioniert so nicht.
– Das funktioniert. Das nehme ich in mein Konzept auf.
– Wann kommen wir endlich zu den Waffen.
– Aber auf diese Weise würde es doch auch gehen, oder?
– Können wir die Grundschule nicht abkürzen, ich will Sparring.
…Hört Ihr die Schale überlaufen?

Ein anderer Punkt wäre, dass sich einige Interessenten zu viel Druck machen:
Du hast Schwierigkeiten, ein Rad zu schlagen?
– Kein Problem!
Du hast schon mal von 30 Liegestützen gehört, für Dich sind sie aber der heilige Gral?
– Kein Problem!
Die Technik war für Dich so nachvollziehbar wie die Cockpitbedienung einer Boeing 707?
– Kein Problem!

Du bist nicht hier, weil Du das alles bereits kannst. Alles was zählt, ist Deine Bereitschaft, diese Dinge anzunehmen und daran zu arbeiten.

Hier also Deine wichtigsten fünf Punkte:

  1. Zeige ehrliches Interesse, Dich auf das Vermittelte einzulassen.
  2. Blockiere Dich selber nicht mit Erwartungen.
  3. Sei höflich, verstelle Dich nicht und passe Dich den Gepflogenheiten im Dojo an.
  4. Sei der Beste, der Du sein kannst und arbeite an dem, was Du noch nicht schaffst.
  5. Habe Geduld und Vertrauen. Es hat seine Gründe, warum etwas so und nicht anders gemacht wird. Auch, wenn Du es derzeit noch nicht nachvollziehen kannst.

Mit dieser Einstellung wirst Du sicher kein Problem haben, von einem Lehrer als Schüler angenommen zu werden.

Ausblick:
„Ja, ich will.“ Schüler und Lehrer haben sich gefunden, doch mit der Hochzeit geht die Ehe erst richtig los. Was für die Anfangszeit für Dich wichtig ist und Dich auf dem Weg der Kampfkunst weiterbringt, erfährst Du im dritten Teil dieser Reihe.

Ganbatte,
Matthias

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s