Der Weg ins Dojo, Teil 1 – Drei Punkte, die passen müssen!

Was willst Du überhaupt?
Ich zumindest weiss noch, wie ich von den medialen Auswüchsen des damaligen Ninjabooms im Fernsehen in den Bann gezogen wurde. Ninja… die hatten es eben drauf (…, die konnten im TV sogar mit Schwert auf dem Rücken rollen)! Damals hatte ich bereits schon vor einiger Zeit mit Judo begonnen. Da mir jedoch der Hang zu Wettkämpfen und die Reduzierung und Fokussierung des Kampfsports auf das Gewinnen dieser nicht lag, wollte, …nein, musste ich wechseln. Schliesslich bekam ich die (bekannten) Hayes-Bücher in die Finger. Ich schrieb an die im Anhang hinterlegte Adresse und erhielt eine Rückantwort, die mich zu meinem ersten Bujinkan Dojo in der Nähe brachte. (Ja, das Internet war damals noch nicht wirklich vorhanden.^^) Nähe ist da auch gut gesagt. Es waren immerhin noch 17 km, die zu Beginn und ohne Führerschein dann doch eine kleine Hürde darstellten. Egal, ich musste dahin. Ich wusste was ich wollte und daher schreckte auch eine solche Strecke nicht zurück. Oder um den Bürospruch eines Freundes zu zitieren: „Wer will, findet Wege. Wer nicht will, Gründe.“ (Sollte man sich merken.)

Ich bin ganz ehrlich, ich fing an, weil ich Ninja in meiner jugendlichen Begeisterung einfach toll fand. Dass das Training jedoch nicht die Fantastereien mancher Dudikoff-Filme beinhaltete, machte letztendlich jedoch nichts, denn durch seine Vielschichtigkeit gab mir das Training alles, was ich mir wünschen konnte.

Nun gibt es für jeden von uns unterschiedlichste Motivationen, um mit einer Kampfkunst zu starten: Ein Medienboom (wie bei mir), Stärkung des Selbstbewusstseins, sportliche Aktivität, Interesse an einer alten Tradition oder auch eben der Wettkampfgedanke mit dem Ziel Trophäen zu sammeln. Die Liste ist auf jeden Fall unendlich und es gibt kein allgemeines Richtig oder Falsch. Der Weg zur und in der Kampfkunst ist sehr individuell und wer sich im Klaren über seine Ziele und Wünsche ist, ist deutlich einen grossen Schritt weiter.

Für Dich heisst das, dass Du Dir darüber erst einmal Gedanken machen solltest:
– Willst Du eine Kampfkunst oder einen Kampfsport?
– Welche Schwerpunkte willst du setzen? Würfe, Waffen, modernes System, Japan oder China, Partnerübungen oder Solo-,…?
Hast Du schon eine konkrete Entscheidung getroffen und es fehlt nur noch das richtige Dojo für Dich?

Dann schnappst Du Dir einen PC und die Recherche beginnt. Was erzähl‘ ich, wahrscheinlich bist Du bereits bei diesem Punkt, weswegen Du auch hier auf meinem Blog gelandet bist. Wenn Du nun die Adressen Deiner erwünschten Vereine, Sportschulen und wie sie nicht alle heissen, sauber vor Dir auf einem Zettel stehen und per NSA-gleicher Webseiten-Analyse alles Interessante herausgefunden hast, geht es auf zum Probetraining.
Genau! Probetraining!

Vergiss alles Zuschauen und Zaghaftes-mal-reinschnuppern.
Nur der Schweiss, der beim Mitmachen entsteht, kann Dir sagen, ob Du richtig bist.
Bist Du richtig? Für diese Entscheidung hab ich folgende drei Punkte für Dich:

1. Passt die Bewegungsart der Kampfkunst zu Dir?
Ha! Da haben wir gleich den ersten Punkt, weswegen Dir das reine Zuschauen schon gar nicht weiterhilft. Bewegungserfahrung ist das Zauberwort. Natürlich wirst Du hier nicht gleich glänzen, wie wenn Du Schwanensee nach 20 Jahren Ballettausbildung hinlegst. Musst Du auch nicht. Egal wie es wohl aussehen mag, Dein Gefühl dabei zählt.

Brauchst Du doch mehr Vollkontakt mit einen zusätzlichen Schuss Bäääm! oder willst Du es eher ruhiger angehen? Bist Du entsprechend gelenkig bzw. siehst Du die Möglichkeit noch entsprechende Beweglichkeit hinzuzugewinnen oder hältst Du Dich im Falle dieser Kampfkunst für einen unverbesserlichen Bewegungslegastheniker? Was sagt Dein Bauchgefühl?
Wenn Du Dich also wohlfühlst und es Dir vorstellen kannst, das überstandene Programm mindestens zweimal in der Woche mitzumachen:
Daumen hoch! Der erste Punkt ist abgehakt.

2. Passt der Lehrer in Persönlichkeit und Unterrichtsstil zu Dir?
Nichts prägt ein Dojo mehr, als die Art des Lehrers. So viele Lehrer es gibt, so viele unterschiedliche Lehrmethoden gibt es. Legt er mehr Wert auf Hierarchie und will mit Sensei angesprochen werden? Herrscht eine eher freundschaftliche Atmosphäre? Distanziert sich der Lehrer eher von der Schülergruppe oder steht er mit in der Runde? Macht er wortlos die Techniken vor, damit man sich auf die Abläufe fokussiert oder erklärt er jedes Detail, damit so zuerst ein theoretisches Verständnis geschaffen wird?

Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur „Passt es zu Dir“. (Leider muss ich hier auch anmerken, dass ein Anfänger kaum Möglichkeiten hat festzustellen, ob das Gezeigte „Hand und Fuss“ hat oder ob es reiner Blödsinn ist. Hier zählt meiner Meinung nach nur das Bauchgefühl.)
Wenn Dir also der Lehrer und seine Art, die Dinge zu erklären liegt:
Check, Punkt 2 ist abgehakt.

3. Passt die Gruppe der Übenden zu Dir?
Neben dem Lehrer sind nun auch die Mitstreiter auf Deinem Weg in und zur Kampfkunst an der Reihe. Wie ist die Gruppe so aufgebaut? Fühlst Du Dich wohl, geht man auf Dich zu oder wirst Du ausgegrenzt? Kannst Du Dir vorstellen, die nächsten Jahre mindestens 2x pro Woche diese Leute um Dich zu haben? Meiner Meinung nach ist dies ein wichtiger Punkt, denn ein Dojo ist kein Kino, den man besucht, konsumiert und dann wieder Heim geht. Eine Dojogemeinschaft ist mehr als 2x Training pro Woche. Suche daher beim Probetraining gezielt Kontakt zur Gruppe und lerne die Leute etwas kennen. Wenn Du mit jemandem zusammen das Probetraining machst, teilt Euch unbedingt auf und trainiert nicht miteinander.
Sind die anderen Schüler für Dich in Ordnung und Du hast ein gutes Gefühl: Check – Nummer 3 ist im Kasten.

Deine Minicheckliste also im Überblick:
[ _ ] Passt die Bewegungsart zu Dir?
[ _ ] Passt der Lehrer zu Dir?
[ _ ] Passen die Schüler zu Dir?

Jetzt fehlt nur noch die Anmeldung.
… Naja, zumindest schon mal von Deiner Seite aus.

Ausblick:
Im nächsten Beitrag zu „Der Weg ins Dojo“ gehe ich auf die andere Seite des Probetrainings ein. Denn auch Du bist auf Probe und auch von Dir machen sich die Schüler und der Lehrer ein Bild. Hierfür bekommst Du von mir ein paar Tipps, damit Du weißt, worauf es wirklich ankommt.

Ganbatte,
Matthias

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s